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Putzfrauen arbeiten immer noch schwarz

Raumpflegerinnen Die Informationskampagne von Bundesrätin Doris Leuthard hat wenig bewirkt

«Putzfrauen», «Haushalthilfen» oder «Raumpflegerinnen», wie sie heute beschönigend heissen, sind begehrter denn je. Laut der neusten, noch nicht veröffentlichten Studie von Putzagentur-Pionier Adrian Gsell beschäftigen heute rund 400 000 Haushalte eine Reinigungskraft. 2007 ging das Schweizer Haushalt-Panel (SHP) noch von rund 310 000 Haushalten aus.

 

Nur ein Viertel arbeitet legal
Pikant: Noch immer arbeitet die Mehrheit der Putzfrauen schwarz. Und dies, obwohl Doris Leuthard zusammen mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) 2008 eine Informations- und Sensibilisierungskampagne zum vereinfachten Abrechnungsverfahren durchgeführt hat (siehe Box). Laut Gsell, Geschäftsführer der ersten Putzfrauenagentur in der Schweiz, beschäftigt heute nur ein Viertel der Haushalte ihre Putzfrau legal. Er hat über Monate Zahlen aus dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und dem Bundesamt für Statistik zusammengetragen und zu einer Studie verfasst.


Sein Fazit: «Weder die Kampagne gegen Schwarzarbeit noch das erleichterte Abrechnungsverfahren für Haushalthilfen haben die Situation nachhaltig verbessert.» Das liege einerseits daran, dass von den angekündigten Abschreckungen in Form von Kontrollen und Bussen in der Öffentlichkeit nichts zu spüren war. «Es hätten Exempel statuiert und kommuniziert werden müssen», so Gsell. Der zweite Grund für die geringe Überzeugungskraft der Kampagne sei die wirtschaftliche Krise im Jahr 2009. «Seither sind viele wieder bereit, jemanden schwarz und somit günstiger anzustellen», so der Geschäftsführer der Putzfrauenagentur. Auch Jürg Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB), hält den Nutzen des vereinfachten Abrechnungsverfahrens für gering. «Es hat die Situation nur bedingt verbessert. In der Romandie wurde sehr intensiv informiert, dementsprechend ist die Lage besser als in der Deutschschweiz. Dort besteht definitiv noch Handlungsbedarf.»

 

Putzfrau von den Steuern abziehen
Das Seco jedoch spricht von einer «gelungenen Sensibilisierung». «Das vereinfachte Verfahren wird rege genutzt», heisst es. Gemäss Angaben des Bundesamtes für Sozialversicherung haben sich 2009 rund 17 000 Arbeitgeber für das vereinfachte Verfahren angemeldet. Gsell relativiert diese Zahlen: «Dies sind mehrheitlich Personen, welche ihre Putzfrau zuvor bereits legal abgerechnet haben, und nicht solche, die ihre Putzfrau neu angemeldet haben.»


Um die Schwarzarbeit nachhaltig zu eliminieren, hat er deshalb einen Vorstoss geplant. Dieser sieht vor, die Kosten für die Putzfrau steuerrelevant abzuziehen. Dies würde laut Gsell den Sozialausgleichskassen jährlich 200 Millionen Franken und der Mehrwertsteuer rund 10 Millionen Franken Mehreinnahmen bringen.


Politische Unterstützung erhält er von FDP-Nationalrätin Doris Fiala: «Durch die Schwarzarbeit geht dem Staat einerseits viel Geld verloren, andererseits ist es für die Reinigungskräfte eine unhaltbare Situation.» Doch Fiala möchte erst eine Motion einreichen, wenn sie Partner wie Gewerbe- und Arbeitgeberverband mit im Boot hat.
Auch für Lampart vom SGB ist klar, dass es eine neue Lösung braucht. Die Einführung der Mindestlöhne am 1. Januar 2011 sei sicher ein wichtiger Schritt. «Um faire Pensen und einen Rückgang der Schwarzarbeit – vor allem bei den Sans-Papiers – zu gewährleisten, kommen wir aber nicht um eine Regularisierung herum.

 

Autorin: Jessica Pfister

 

pdf aargauer zeitung 08.11.2010 501.68 Kb

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